Neues Geschäft in Lilienthal

Belgische Momente an der Hauptstraße „Belaroma“ heißt das Geschäft, das jetzt an der Hauptstraße in Lilienthal eröffnet worden ist. Inhaber Dimitri van den Broeck verkauft dort Genever und Liköre aus seiner belgischen Heimat.

Lilienthal. Schwedische Happen, feine Törtchen aus der Pâtisserie oder orientalische Dips – wer will, kann in Lilienthal schon jetzt auf eine vielfältige kulinarische Entdeckungsreise gehen. Seit ein paar Tagen kommt nun Mittel- bis Hochprozentiges aus Belgien dazu: Dimitri van den Broeck hat an der Hauptstraße 26 gleich neben dem Brautmodengeschäft sein „Belaroma“ eröffnet und bietet dort den Wacholderschnaps Genever oder als Variante Liköre von cremig bis fruchtig an. „Ich möchte ein Stück meiner Heimat nach Deutschland bringen“, sagt der 37-Jährige, der in Gent aufgewachsen ist und acht Jahre lang in Hessen gelebt hat, ehe es ihn aus familiären Gründen in den Norden zog.

Dimitri van den Broeck bietet in seinem neu eröffneten Geschäft “Belaroma” belgischen Genever und Likör an.
Foto: CARMEN JASPERSEN

Auch wenn es um Schnaps geht, eine ebensolche Idee ist es nicht, die van den Broeck zum ersten eigenen Laden gebracht hat: Denn die Sache hat sich langsam entwickelt. In Schöneck bei Frankfurt schenkte er auf dem Weihnachtsmarkt den belgischen Klassiker aus. Warmgemachter Vanille-Likör mit Schlagsahne und Schoko-Streuseln war der Renner. Irgendwann fragten die Leute, wo man den Wacholder-Trunk beziehen kann und ob er auch flaschenweise zu haben sei. Van den Broeck blieb dran und ist nun nach eigenen Angaben der Einzige, der den Genever der Traditionsmarke „Smeets“ nach Deutschland importiert und dort vertreiben darf. Obwohl alles innerhalb der Europäischen Union stattfindet, ist der Import wegen der fälligen Alkoholsteuer und länderübergreifenden Verrechnung mit viel Papierkram verbunden. Van den Broeck vermutet, dass seine Telefonnummer beim Zoll wegen der vielen Fragen, die sich ihm als Anfänger gestellt haben, mittlerweile recht bekannt ist.

Den Namen des Geschäfts und den Außenauftritt hat sich Dimitri van den Breock zusammen mit seinem Bruder ausgedacht, der in Gent als Designer arbeitet. Den Laden selbst haben sie bewusst schlicht gehalten: Alte geflammte Obstkisten und ausgediente Paletten dienen als Regale – bis auf zwei Schränke sei nichts an Möbeln dazugekauft worden. Den Vintage-Stil unterstützt auch ein chromblitzender Fahrrad-Oldtimer, der als Blickfang im Schaufenster steht. Einen weiten Weg zur Arbeit hat van den Broeck nicht: Er hat sich in der oberen Etage eingerichtet und muss nur die Wendeltreppe hinunter gehen, um mitten im Laden zu stehen. „Von einer solchen Kombination aus Wohnen und Arbeiten habe ich immer geträumt“, sagt er.

Der Neu-Lilienthaler mag es hier im Norden – die Menschen seien entspannter als in der Frankfurter Gegend, hat er festgestellt. Das komme ihm als Belgier entgegen. „Ich merke, dass die Leute interessiert sind. Gerade sonnabends kommen hier viele Fußgänger und Radfahrer vorbei. Sie fragen nach, trauen sich aber noch nicht so richtig herein“, sagt er wenige Tage nach der Eröffnung. Mit anderen Geschäftsleuten hat er sich schon ausgetauscht, denkt über mögliche Kooperationen nach: So kann es passieren, dass die Kugeln aus der Lilienthaler Eisdiele demnächst auch mit Likör-Soße belgischer Art zu haben sind. Möglich auch, dass an verkaufsoffenen Sonntagen vor dem Vintage-Weinladen Genever probiert werden kann.

Die Preise für eine 0,7-Liter-Flasche Likör starten bei 14,70 Euro, der hochprozentige Wacholderschnaps kostet bis zu 43 Euro. Neben dem Genever hat van den Broeck jetzt auch einen anderen belgischen Klassiker ins Sortiment aufgenommen: Er kooperiert mit einem Produzenten und verkauft auch Schokolade und Pralinen. „Die Meeresfrüchte, wie sie viele aus dem Supermarkt kennen, haben nichts damit zu tun. Richtige belgische Schokolade hat eine ganz andere Qualität“, ist er überzeugt.

Van den Broeck freut sich, dass er nun seinen eigenen Laden in Lilienthal hat, auch wenn dieser nicht sein einziges Standbein ist: Sein Augenmerk liegt darauf, auch den Großhandel aufzubauen und er will zusehen, dass die Handelsketten seine Produkte ins Regal stellen. Als Einzelhändler hat er bereits einen Online-Shop für den Direkt-Verkauf gestartet. Und dann gibt es ja auch noch den Hauptjob, in dem Wacholder-Schnaps keine Rolle spielt: Der 37-Jährige ist Vertriebsleiter eines Caravan-Herstellers und für das europaweite Händlernetz zuständig. Entsprechend viel ist er auf Achse. Das führt dazu, dass er seinen Laden aktuell nur von donnerstags bis sonnabends jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet hat oder auch nach vorheriger Terminabsprache. Innerhalb Lilienthals bietet er einen kostenlosen Lieferservice an.

Wenn er nicht gerade geschäftlich zu tun hat, spielt van den Broeck bei den Fußballern des SV Lilienthal-Falkenberg bei den Alten Herren mit oder begleitet die Mannschaft seines siebenjährigen Sohnes als Betreuer.

Jenever

Genever ist ein Wacholderschnaps niederländischer oder belgischer Herkunft mit mindestens 35 Prozent Alkoholgehalt. Er gilt als Vorläufer des Gin. Historische Quellen beklegen, dass Genever bereits im späten 16. Jahrhundert ein weit verbreitetes Gesellschaftsgetränk war. Er wird in den Niederlanden und Flandern auch als Grundlage für verschiedene Liköre verwendet, die mal fruchtig oder mal cremig sein können und dann um die 17 Prozent Alkohol enthalten. „Smeets“ gilt in Belgien als Kultmarke, deren Ursprünge aufs Jahr 1921 zurückgehen. Seit 2011 gehört die Marke zur Gruppe Bruggeman-La Martiniquaise, einem der weltweit größten Alkoholgetränkehersteller.